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Brief der pw-Internet Solutions GmbH vom 25.07.2011 wegen angeblicher „Abzocke“ bei Plagiaten

Guten Tag Herr Dr. Senoner,

unsere Hausjuristin übergab mir Ihr anlässlich der Klagevorbereitung gegen Herrn O., der bei "Freeweb" in Italien (!) Inhalte seiner Firma gehostet hatte, Ihr eMail vom 1. März 2011.

Immerhin hat Freeweb die Inhalte des Herrn O. gelöscht, der bei Freeweb nach Ihren eigenen Worten "falsche Angaben" gemacht und das Portal Freeweb für kommerzielle Zwecke genutzt hat, was nach Ihren Worten "nicht gestattet" ist. Herr O., für den Sie sich trotz dessen Fehlverhaltens ins Zeug legen, hat unsere Inhalte immer noch im Netz, nun unter einer eigenen Website. Unser Unternehmen wird ihn jetzt verklagen.

In Ihrer eMail hatten Sie behauptet, unser Unternehmen sei "als Abzocke" bekannt. Sie haben auf irgendwelche Foren verwiesen, in denen sich erwischte Plagiatoren die Wut darüber vom Leibe geschrieben haben, dass sie entdeckt und zur Rechenschaft gezogen worden sind. Deren Vorwürfe sind falsch und niederträchtig.

Diese Personen ordne ich fast alle den Internet-Randgruppen zu, die ohne fachliche Substanz Websites gestalten und darin plagiierte Inhalte verarbeiten. Nicht selten bauen selbsternannte Webdesigner unsere Inhalte in fremde Portale ein und verlangen für  u n s e r e  Inhalte auch noch Geld. Und natürlich finden diese Personen immer ein Forum, wo sie - anstatt beschämt zu schweigen - auch noch (sprachlich meist dürftige) Verbalinjurien gegen unsere Firma ablassen.

Unser Unternehmen besteht seit 1995 und hat in bestimmten Segmenten eine marktführende Stellung im deutschsprachigen Raum. Unsere reinen Infor­ma­tions­portale haben monatlich über 1,3 Mio User. Diese Stellung haben wir uns hart erarbeitet durch zig-tausende Inhaltsseiten, die unsere Redaktion verfasst hat. Wie würden Sie sich denn verhalten, wenn seitenlange Inhalte Ihrer Doktorarbeit von Fremden unlizensiert in ein anderes Portal, eine andere Doktorarbeit oder in ein Buch eingefügt würden?

Wir mahnen zunächst ab - und das tun auch Großverlage, Kleinverlage, die GEMA usw. Wir schalten in der ersten Instanz vor den Amtsgerichten k e i n e Rechtsanwälte ein, sondern klagen über unsere Hausjuristin. Dadurch entstehen für den Rechteverletzer  k e i n e  Anwaltskosten, die er sonst dem Kläger (also unserer Firma) erstatten müsste, falls er vor Gericht unterliegt. Und in 98 % aller Fälle unterliegt er.

Manchmal sprechen die Gerichte uns einen geringeren Schadenersatz zu als verlangt. Das nützt dem Plagiator gar nichts, denn die Gerichts- und Anwaltskosten kommen dennoch auf ihn zu. Unter Umständen bleiben diese Kosten  t e i l w e i s e   auch bei unserem Unternehmen hängen - der andere Teil aber bei dem beklagten Plagiator. Macht er dann die Endabrechung, hat er immer ein Verlustgeschäft gemacht. Wäre er vernünftig gewesen, hätte er mit uns über einen außergerichtlichen Vergleich verhandelt.

In Ihrer Heimt - in Oberitalien - kam schon einmal ein solcher Vergleich über damals 6.500 DM zustande. Da hatte ein Südtiroler Unternehmen zahllose Seiten aus einem unserer Portale kopiert. In diesem Fall hatte uns eine Kanzlei aus Bozen vertreten, die ebenso wie der gegnerische Südtiroler Anwalt mit Vernunft und Augenmaß agiert hat.

Letzteres ist bei deutschen Anwälten selten zu finden, die angesichts des ständig wachsenden Konkurrenzdrucks durch jährlich tausende neue Anwälte fast immer dazu drängen, dass sich der Plagiator verklagen lässt. Denn Anwälte verdienen so oder so immer und erst recht, wenn Sie vor Gericht einen Vergleich aushandeln.

Sie können sich über die deutsche Anwaltsusancen informieren, wenn Sie diesen Link aufrufen.

Unsere Inhalte werden nicht nur von den zitierten Randgruppen plagiiert, sondern auch von Stadtverwaltungen, Rundfunkanstalten usw., wo sich Sachbearbeiter oder Journalisten vor ihren Vorgesetzten dadurch profilieren wollen, dass sie fremder Menschen geistige Arbeit als eigene Leistung ausgeben. Mit den Arbeitgebern dieser Plagiatoren einigen wir uns in aller Regel, ohne vor Gericht ziehen zu müssen.

Unsere in den jeweiligen Segmenten marktführenden Portale baumarkt.de, fertighaus.de, traumbad.de, fachwerkhaus.de, genuss.de usw. leben von Werbeeinnahmen der Industrie und des Handels. Dazu gehören Weltkonzerne. Die Geldeinnahmen durch Schadenersatz für Plagiate nehmen bei uns eine untergeordnete Stelle ein. Unser Unternehmen bezahlt seine 15 festan­ge­stellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht aus den Beträgen, die bei Abmahnungen oder Gerichtsurteilen anfallen. Wer behauptet, unser Geschäfts­modell seien Abmahnungen und daraus resultierende Geldein­nah­men, der will nur Dampf darüber ablassen, als Plagiator ertappt worden zu sein.

Das Erfreuliche an der Bekämpfung von Plagiaten ist, dass die bei uns "abgekupferten" redaktionellen Inhalte aus fremden  Portalen verschwinden und die User somit direkt auf unseren Portalen landen und nicht durch eine Suchmaschinen-Eingabe bei den Dieben geistigen Eigentums.

Südtirol ist bekannt für saubere Luft. Tragen Sie bitte dazu bei, das die Luft im Internet (durch Schmuddelportale sowieso schon verdreckt) ein wenig sauberer wird.

Mit freundlichem Gruß
pw-Internet Solutions GmbH

Nachtrag der pw-Geschäftsleitung

Herr Dr. Senoner hat auf diesen Brief schnell und professionell reagiert. Weder er selbst noch „Freeweb Italien“ hatte ja ein Plagiat begangen, sondern nur Herr O., der seine Geschäfts-Website kostenlos bei „Freeweb Italien“ untergebracht hatte, was jedoch nur für private Websites gestattet ist. Wir sind uns mit Herrn Dr. Senoner einig, dass das Unwesen der Plagiate bekämpft werden muss. Denn auch im deutschsprachigen Oberitalien gibt es Plagiatoren, wie er uns wissen ließ. Inzwischen sieht er die pw-Internet Solutions in einem anderen Licht und nicht mehr als „Abzocke“.